Wahrheit und Wissen in der psychoanalytischen Stunde

Nicht nur Kandidat_innen ringen oft mit der Angst, eine „falsche“ Deutung zu geben, oder zweifeln an einer „richtigen“ Deutung; umgekehrt erscheint uns das Wissen eher zweifelhaft, mit dem uns Patient_innen ihre Symptome oder Träume erklären als wäre deren Bedeutung offenkundig.

Freud hat schon festgestellt, dass „das Wort … prädestinierte Vieldeutigkeit“ (SA, Bd. II, S. 336) ist. Weil demnach Sprechen wesentlich mehrdeutig ist, hat er die analytische Arbeit nicht auf das konzentriert, was Patient_innen sagen wollen, sondern was in der Stunde tatsächlich gesagt wird. Anstellte des Ichs hat Freud die Bedeutung des Unbewussten und das Verfahren der freien Assoziation (der die gleichschwebenden Aufmerksamkeit korrespondiert) ins Zentrum der analytischen Arbeit gerückt und damit das vermeintlich festgefügte Wissen in Frage gestellt.

Anhand bekannter psychoanalytischer Konzepte und philosophischer Fragestellungen wollen wir gemeinsam mit den Teilnehmer_innen die Bedeutung des klinischen Wissens in der analytischen Praxis untersuchen:

  • „Negative capacity“ (Bion) als psychoanalytische Grundhaltung und deren Äquivalente in der griechischen und fernöstlichen Philosophie sowie in der jüdischen rabbinischen Tradition (s. a. Freud und das Bilderverbot bzw. die Umwandlung des Traumbildes in den Traumgedanken)
  • Die Unterscheidung des Imaginären vom Symbolischen (Lacan) im psychoanalytischen Denken über klinische Phänomene Wahrheit und Täuschung.

Veranstaltungs-Details

Datum, Uhrzeit 11.11.17, 10:00
Termin-Ende 11.11.17, 13:30
Stichtag, Anmeldungsende 27.10.17, 10:00
Ort John-Rittmeister-Institut